Was ist der Unterschied zwischen Median und Durchschnittsgehalt? Welche Kennzahl ist aussagekräftiger für Gehaltsvergleiche? Einfach erklärt mit Beispielen.
Beim Vergleich von Gehältern begegnen Ihnen häufig zwei Begriffe: Median und Durchschnitt. Obwohl beide Kennzahlen etwas über "typische" Gehälter aussagen, unterscheiden sie sich grundlegend. In diesem Ratgeber erklären wir den Unterschied und zeigen, welche Kennzahl für Gehaltsvergleiche aussagekräftiger ist.
Das Durchschnittsgehalt (auch arithmetisches Mittel genannt) wird berechnet, indem alle Gehälter addiert und durch die Anzahl der Personen geteilt werden.
Angenommen, 5 Personen verdienen: • Person 1: 30.000 € • Person 2: 35.000 € • Person 3: 40.000 € • Person 4: 42.000 € • Person 5: 150.000 € Durchschnitt = (30.000 + 35.000 + 40.000 + 42.000 + 150.000) ÷ 5 = 59.400 €
Im obigen Beispiel verdienen 4 von 5 Personen deutlich weniger als der Durchschnitt von 59.400 €. Die eine Spitzenverdienerin mit 150.000 € zieht den Durchschnitt stark nach oben. Der Durchschnitt spiegelt daher nicht das typische Gehalt wider.
Das Mediangehalt ist der mittlere Wert einer nach Höhe sortierten Gehaltsliste. 50% verdienen mehr, 50% verdienen weniger als der Median.
Nehmen wir dieselben 5 Personen, sortiert nach Gehalt: • 30.000 € • 35.000 € • 40.000 € ← Median (mittlerer Wert) • 42.000 € • 150.000 € Der Median liegt bei 40.000 €. Dies ist der tatsächliche Wert in der Mitte – unabhängig davon, wie hoch die Extremwerte sind.
Der Median ist unempfindlich gegenüber Extremwerten. Auch wenn die Spitzenverdienerin statt 150.000 € sogar 1 Million € verdienen würde, bliebe der Median bei 40.000 €. Der Median zeigt daher das "typische" Gehalt besser.
In Deutschland liegen Median und Durchschnittsgehalt unterschiedlich hoch, weil Spitzenverdiener den Durchschnitt nach oben ziehen.
• Mediangehalt: ~43.750 € brutto/Jahr • Durchschnittsgehalt: ~49.260 € brutto/Jahr • Differenz: ~5.510 € (12,6%) Der Durchschnitt liegt etwa 12-13% über dem Median. Das bedeutet: Die Mehrzahl der Arbeitnehmer verdient weniger als das Durchschnittsgehalt.
Wenn Sie ein Gehalt von 45.000 € brutto haben, verdienen Sie: • Mehr als 50% aller Arbeitnehmer (über dem Median) • Aber weniger als der Durchschnitt Das Mediangehalt ist die bessere Vergleichsgröße, um Ihr Gehalt realistisch einzuordnen.
Je nach Fragestellung ist entweder der Median oder der Durchschnitt die geeignetere Kennzahl.
• Gehaltsvergleiche (Wie stehe ich im Vergleich zu anderen?) • Gehaltsverhandlungen (Was verdient die Mehrheit?) • Realistische Einschätzung eines typischen Gehalts • Berufswahl und Karriereplanung
• Volkswirtschaftliche Analysen • Vergleiche über Zeit (wenn Datenreihen verfügbar sind) • Grobe Übersichten über Gesamtgehaltssummen Für individuelle Gehaltsvergleiche ist der Median fast immer die bessere Wahl.
In der IT-Branche ist der Unterschied zwischen Median und Durchschnitt besonders deutlich: • Mediangehalt Softwareentwickler: ~62.000 € brutto/Jahr • Durchschnittsgehalt Softwareentwickler: ~68.000 € brutto/Jahr Der Durchschnitt wird durch hochbezahlte Senior-Entwickler, Lead-Entwickler und Tech-Leads nach oben gezogen. Die Mehrheit der Softwareentwickler verdient jedoch näher am Median von 62.000 €. Wenn Sie als Junior-Entwickler ein Angebot von 50.000 € erhalten, liegen Sie: • Unter dem Median (aber als Junior ist das normal) • Weit unter dem Durchschnitt (der irreführend hoch ist)
Der Median ist für die meisten Gehaltsvergleiche die aussagekräftigere Kennzahl, weil er das "typische" Gehalt besser widerspiegelt. Der Durchschnitt wird durch Spitzenverdiener verzerrt und liegt oft deutlich höher als das, was die Mehrheit tatsächlich verdient. Wenn Sie Ihr Gehalt vergleichen oder eine Gehaltsvorstellung entwickeln möchten, orientieren Sie sich am Mediangehalt Ihrer Branche und Region.