Fachkräftemangel und Gehaltsdruck 2025
Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Diese Studie untersucht das Ausmaß des Mangels, die besonders betroffenen Branchen und die Auswirkungen auf die Gehaltsentwicklung.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- 1,96 Millionen offene Stellen in Deutschland (Rekordniveau)
- MINT-Berufe: 320.000 offene Stellen, Trend steigend
- Pflegeberufe: 200.000 fehlende Fachkräfte bis 2030
- Handwerk: 250.000 fehlende Fachkräfte
- Gehaltssteigerungen in Mangelberufen: +8% p.a. (vs. 4% Durchschnitt)
- Bis 2030: Lücke von 3 Millionen Arbeitskräften erwartet
Umfang des Fachkräftemangels
Der Fachkräftemangel hat 2025 ein Rekordniveau erreicht. Aktuell gibt es 1,96 Millionen offene Stellen in Deutschland, während nur 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sind.
Besonders dramatisch ist die Situation in: - MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) - Gesundheits- und Pflegeberufen - Handwerksberufen - IT-Berufen
Die demographische Entwicklung wird das Problem verschärfen: Bis 2030 werden 3 Millionen Menschen mehr in Rente gehen als junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.
Anzahl offener Stellen in Millionen
Betroffene Branchen und Berufe
Der Fachkräftemangel ist nicht gleichmäßig verteilt. Besonders betroffen sind:
**MINT-Berufe (320.000 offene Stellen):** - Softwareentwickler: 86.000 Stellen - Ingenieure (alle Fachrichtungen): 124.000 Stellen - IT-Sicherheitsexperten: 45.000 Stellen - Data Scientists: 28.000 Stellen
**Gesundheit & Pflege (200.000):** - Pflegefachkräfte: 120.000 Stellen - Ärzte: 35.000 Stellen - Therapeuten: 45.000 Stellen
**Handwerk (250.000):** - Elektriker: 62.000 Stellen - SHK-Installateure: 55.000 Stellen - Dachdecker: 28.000 Stellen - KFZ-Mechatroniker: 48.000 Stellen
Anzahl unbesetzter Stellen in Tausend
Auswirkungen auf Gehälter
Der Fachkräftemangel führt zu erheblichem Gehaltsdruck in betroffenen Berufen:
**Mangelberufe (Durchschnittliche jährliche Steigerung 2020-2025):** - Softwareentwickler: +8,2% p.a. - IT-Sicherheitsexperten: +9,1% p.a. - Data Scientists: +8,7% p.a. - Pflegefachkräfte: +6,5% p.a. (durch politische Maßnahmen) - Handwerksmeister: +5,8% p.a.
**Zum Vergleich - Durchschnitt aller Berufe:** +4,2% p.a.
Unternehmen konkurrieren zunehmend um knappe Fachkräfte, was sich in höheren Einstiegsgehältern, Signing-Bonuses und besseren Benefits niederschlägt.
Durchschnittliche jährliche Steigerung 2020-2025
- IT-Berufe mit doppelt so hohem Gehaltswachstum wie Durchschnitt
- Einstiegsgehälter für Softwareentwickler: +45% seit 2020
- Signing-Bonuses in IT bis 20.000 € üblich
Regionale Unterschiede
Der Fachkräftemangel ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt:
**Besonders betroffen:** - Bayern: 342.000 offene Stellen (Automotive, IT) - Baden-Württemberg: 298.000 (Engineering, IT) - Nordrhein-Westfalen: 387.000 (breit gestreut)
**Weniger betroffen:** - Strukturschwache Regionen in Ostdeutschland - Ländliche Gebiete mit Bevölkerungsrückgang
Die regionalen Unterschiede verstärken sich: Starke Regionen ziehen Fachkräfte an, schwache verlieren weiter an Attraktivität.
- München: 4,5 offene Stellen pro Arbeitslosem
- Strukturschwache Regionen: 0,8 offene Stellen pro Arbeitslosem
- Remote Work verändert regionale Dynamiken
Lösungsansätze
Politik und Wirtschaft setzen auf verschiedene Maßnahmen:
**Fachkräfteeinwanderung:** - Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 und Neuregelung 2023 - Blue Card EU für Hochqualifizierte - Chancenkarte ab 2024
**Weiterbildung und Umschulung:** - Qualifizierungschancengesetz - Förderung beruflicher Weiterbildung - Umschulungen in Mangelberufe
**Vereinbarkeit und Teilzeit:** - Ausbau Kinderbetreuung - Flexible Arbeitsmodelle - Erhöhung Erwerbstätigenquote von Frauen
**Automatisierung und KI:** - Digitalisierung von Prozessen - KI-Unterstützung in verschiedenen Berufen - Fokus auf menschliche Kernkompetenzen
- 400.000 Fachkräfte aus Drittstaaten seit 2020 zugewandert
- Potenzial Teilzeiterhöhung: +1,5 Mio. Arbeitskräfte
- Automatisierung kann 30% der Lücke schließen
Prognose bis 2030
Die Situation wird sich weiter verschärfen:
**Demographischer Wandel:** - 2025-2030: 3 Millionen mehr Renteneintritte als Berufseinsteiger - Besonders stark in geburtenschwachen Jahrgängen ab 1970
**Erwartete Entwicklung:** - 2030: Lücke von 3,0 Millionen Arbeitskräften - Ohne Gegenmaßnahmen: Wirtschaftswachstum gefährdet - Weitere Gehaltssteigerungen in Mangelberufen
**Chancen:** - Produktivitätssteigerung durch Digitalisierung - Neue Arbeitsmodelle (4-Tage-Woche, Remote Work) - Reaktivierung von Potenzialen (Ältere, Frauen)
Erwartete Anzahl fehlender Arbeitskräfte in Millionen
Methodik
Die Studie basiert auf Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), der Bundesagentur für Arbeit (BA-Statistik zu offenen Stellen) und Unternehmensbefragungen des DIHK. Prognosen berücksichtigen demographische Entwicklungen, Bildungsabschlüsse und Erwerbsquoten.
Quellen
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) - MINT-Frühjahrsreport 2025
- Bundesagentur für Arbeit - Fachkräfteengpassanalyse
- DIHK - Arbeitsmarktreport 2025
- Statistisches Bundesamt - Bevölkerungsvorausberechnung
- Bertelsmann Stiftung - Fachkräfteradar
Herausgeber: Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), DIHK