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Demografie · 2025-01-15

Fachkräftemangel und Gehaltsdruck 2025

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Diese Studie untersucht das Ausmaß des Mangels, die besonders betroffenen Branchen und die Auswirkungen auf die Gehaltsentwicklung.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • 1,96 Millionen offene Stellen in Deutschland (Rekordniveau)
  • MINT-Berufe: 320.000 offene Stellen, Trend steigend
  • Pflegeberufe: 200.000 fehlende Fachkräfte bis 2030
  • Handwerk: 250.000 fehlende Fachkräfte
  • Gehaltssteigerungen in Mangelberufen: +8% p.a. (vs. 4% Durchschnitt)
  • Bis 2030: Lücke von 3 Millionen Arbeitskräften erwartet

Umfang des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel hat 2025 ein Rekordniveau erreicht. Aktuell gibt es 1,96 Millionen offene Stellen in Deutschland, während nur 2,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sind.

Besonders dramatisch ist die Situation in: - MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) - Gesundheits- und Pflegeberufen - Handwerksberufen - IT-Berufen

Die demographische Entwicklung wird das Problem verschärfen: Bis 2030 werden 3 Millionen Menschen mehr in Rente gehen als junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.

Entwicklung offener Stellen 2015-2025

Anzahl offener Stellen in Millionen

20150,7 Mio.
20160,7 Mio.
20170,8 Mio.
20181 Mio.
20191,2 Mio.
20200,9 Mio.
20211,2 Mio.
20221,5 Mio.
20231,7 Mio.
20241,9 Mio.
20252 Mio.
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Betroffene Branchen und Berufe

Der Fachkräftemangel ist nicht gleichmäßig verteilt. Besonders betroffen sind:

**MINT-Berufe (320.000 offene Stellen):** - Softwareentwickler: 86.000 Stellen - Ingenieure (alle Fachrichtungen): 124.000 Stellen - IT-Sicherheitsexperten: 45.000 Stellen - Data Scientists: 28.000 Stellen

**Gesundheit & Pflege (200.000):** - Pflegefachkräfte: 120.000 Stellen - Ärzte: 35.000 Stellen - Therapeuten: 45.000 Stellen

**Handwerk (250.000):** - Elektriker: 62.000 Stellen - SHK-Installateure: 55.000 Stellen - Dachdecker: 28.000 Stellen - KFZ-Mechatroniker: 48.000 Stellen

Offene Stellen nach Berufsfeldern 2025

Anzahl unbesetzter Stellen in Tausend

MINT-Berufe320 Tsd.
Handwerk250 Tsd.
Gesundheit & Pflege200 Tsd.
Logistik & Transport180 Tsd.
Gastronomie & Hotellerie145 Tsd.
Erziehung & Bildung120 Tsd.
Verwaltung & Büro95 Tsd.
Einzelhandel75 Tsd.

Auswirkungen auf Gehälter

Der Fachkräftemangel führt zu erheblichem Gehaltsdruck in betroffenen Berufen:

**Mangelberufe (Durchschnittliche jährliche Steigerung 2020-2025):** - Softwareentwickler: +8,2% p.a. - IT-Sicherheitsexperten: +9,1% p.a. - Data Scientists: +8,7% p.a. - Pflegefachkräfte: +6,5% p.a. (durch politische Maßnahmen) - Handwerksmeister: +5,8% p.a.

**Zum Vergleich - Durchschnitt aller Berufe:** +4,2% p.a.

Unternehmen konkurrieren zunehmend um knappe Fachkräfte, was sich in höheren Einstiegsgehältern, Signing-Bonuses und besseren Benefits niederschlägt.

Gehaltswachstum Mangelberufe vs. Durchschnitt

Durchschnittliche jährliche Steigerung 2020-2025

IT-Sicherheitsexperte9,1% p.a.
Data Scientist8,7% p.a.
Softwareentwickler8,2% p.a.
Pflegefachkraft6,5% p.a.
Handwerksmeister5,8% p.a.
Ingenieur5,2% p.a.
Durchschnitt alle Berufe4,2% p.a.
Auf einen Blick
  • IT-Berufe mit doppelt so hohem Gehaltswachstum wie Durchschnitt
  • Einstiegsgehälter für Softwareentwickler: +45% seit 2020
  • Signing-Bonuses in IT bis 20.000 € üblich

Regionale Unterschiede

Der Fachkräftemangel ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt:

**Besonders betroffen:** - Bayern: 342.000 offene Stellen (Automotive, IT) - Baden-Württemberg: 298.000 (Engineering, IT) - Nordrhein-Westfalen: 387.000 (breit gestreut)

**Weniger betroffen:** - Strukturschwache Regionen in Ostdeutschland - Ländliche Gebiete mit Bevölkerungsrückgang

Die regionalen Unterschiede verstärken sich: Starke Regionen ziehen Fachkräfte an, schwache verlieren weiter an Attraktivität.

Auf einen Blick
  • München: 4,5 offene Stellen pro Arbeitslosem
  • Strukturschwache Regionen: 0,8 offene Stellen pro Arbeitslosem
  • Remote Work verändert regionale Dynamiken

Lösungsansätze

Politik und Wirtschaft setzen auf verschiedene Maßnahmen:

**Fachkräfteeinwanderung:** - Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 und Neuregelung 2023 - Blue Card EU für Hochqualifizierte - Chancenkarte ab 2024

**Weiterbildung und Umschulung:** - Qualifizierungschancengesetz - Förderung beruflicher Weiterbildung - Umschulungen in Mangelberufe

**Vereinbarkeit und Teilzeit:** - Ausbau Kinderbetreuung - Flexible Arbeitsmodelle - Erhöhung Erwerbstätigenquote von Frauen

**Automatisierung und KI:** - Digitalisierung von Prozessen - KI-Unterstützung in verschiedenen Berufen - Fokus auf menschliche Kernkompetenzen

Auf einen Blick
  • 400.000 Fachkräfte aus Drittstaaten seit 2020 zugewandert
  • Potenzial Teilzeiterhöhung: +1,5 Mio. Arbeitskräfte
  • Automatisierung kann 30% der Lücke schließen

Prognose bis 2030

Die Situation wird sich weiter verschärfen:

**Demographischer Wandel:** - 2025-2030: 3 Millionen mehr Renteneintritte als Berufseinsteiger - Besonders stark in geburtenschwachen Jahrgängen ab 1970

**Erwartete Entwicklung:** - 2030: Lücke von 3,0 Millionen Arbeitskräften - Ohne Gegenmaßnahmen: Wirtschaftswachstum gefährdet - Weitere Gehaltssteigerungen in Mangelberufen

**Chancen:** - Produktivitätssteigerung durch Digitalisierung - Neue Arbeitsmodelle (4-Tage-Woche, Remote Work) - Reaktivierung von Potenzialen (Ältere, Frauen)

Prognose Fachkräftelücke bis 2030

Erwartete Anzahl fehlender Arbeitskräfte in Millionen

20251,2 Mio.
20261,5 Mio.
20271,9 Mio.
20282,3 Mio.
20292,7 Mio.
20303 Mio.

Methodik

Die Studie basiert auf Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), der Bundesagentur für Arbeit (BA-Statistik zu offenen Stellen) und Unternehmensbefragungen des DIHK. Prognosen berücksichtigen demographische Entwicklungen, Bildungsabschlüsse und Erwerbsquoten.

Quellen

  • Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) - MINT-Frühjahrsreport 2025
  • Bundesagentur für Arbeit - Fachkräfteengpassanalyse
  • DIHK - Arbeitsmarktreport 2025
  • Statistisches Bundesamt - Bevölkerungsvorausberechnung
  • Bertelsmann Stiftung - Fachkräfteradar

Herausgeber: Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), DIHK

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