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8. September 2026

Arbeitszeitwünsche 2025: 3,8 Millionen wollen weniger arbeiten - 1,5 Millionen mehr

Destatis meldet neue Zahlen zu Arbeitszeitwünschen: 3,8 Millionen Erwerbstätige wollten 2025 kürzer arbeiten, 1,5 Millionen wollten aufstocken. Entscheidend ist der Nettoeffekt.

Von Gehalts.info RedaktionRedaktion8. September 2026
Gehalt & Karriere

Die Debatte über Vier-Tage-Woche, Teilzeit, Fachkräftemangel und Überstunden bekommt neue amtliche Zahlen. Nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 wünschten sich 3,8 Millionen Erwerbstätige in Deutschland im Alter von 15 bis 74 Jahren eine kürzere Arbeitszeit. Gleichzeitig wollten 1,5 Millionen Erwerbstätige länger arbeiten. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte die Daten am 4. September 2026. Berücksichtigt wurden Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte sowie Haupt- und Nebentätigkeiten.

Für Beschäftigte ist die Meldung mehr als ein Stimmungsbild. Arbeitszeit ist direkt mit Gehalt, Netto, Rentenpunkten, Zuschlägen und Vereinbarkeit verbunden. Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass die Befragten ihre Wünsche unter der Annahme beantworten sollten, dass Mehrarbeit mit höherem und Minderarbeit mit geringerem Verdienst einhergeht. Wer weniger Stunden will, entscheidet also nicht abstrakt über Freizeit, sondern über Einkommen. Wer aufstocken will, sucht meist nicht nur Beschäftigung, sondern spürbar mehr Monatsbudget.

Die wichtigsten Zahlen

Kennzahl Wert Einordnung
Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit3,8 Millionen ErwerbstätigeVollzeit und Teilzeit zusammen
Wunsch nach längerer Arbeitszeit1,5 Millionen Erwerbstätigehäufig in Teilzeit
Arbeitszeit bei Reduzierungswunsch40,9 Stunden pro Wochegewöhnlich geleistete Wochenarbeitszeit
Gewünschte Reduzierung10,5 Stunden pro WocheDurchschnittswert
Arbeitszeit bei Mehrarbeitswunsch26,2 Stunden pro Wochegewöhnlich geleistete Wochenarbeitszeit
Gewünschte Erhöhung10,5 Stunden pro WocheDurchschnittswert
Rechnerischer Saldo aller Wünsche-0,6 Stunden pro Woche36 Minuten weniger je Erwerbstätigen

Was weniger Arbeitszeit beim Gehalt bedeutet

Der Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit konzentriert sich vor allem bei Personen, die bereits lange Wochen haben. Erwerbstätige mit Reduzierungswunsch arbeiteten laut Destatis im Schnitt 40,9 Stunden pro Woche und wollten um 10,5 Stunden reduzieren. Das entspricht rechnerisch einem Rückgang um gut ein Viertel der Wochenarbeitszeit. Bei einem unveränderten Stundenlohn fällt auch das Brutto entsprechend deutlich niedriger aus.

Ein einfaches Beispiel zeigt die Größenordnung: Wer 40 Stunden arbeitet und 3.600 Euro brutto im Monat verdient, liegt rechnerisch bei 90 Euro Brutto je Wochenstunde im Monatswert. Eine Reduzierung auf 32 Stunden würde das Monatsbrutto bei gleichem Stundenlohn auf rund 2.880 Euro senken. Netto fällt der Verlust nicht exakt proportional aus, weil Lohnsteuer und Sozialabgaben progressiv beziehungsweise anteilig wirken. Trotzdem ist der Unterschied für Miete, Kredite, Altersvorsorge und Sparrate erheblich. Vor einer Stundenreduzierung sollte deshalb immer das neue Monatsnetto mit dem Brutto-Netto-Rechner geprüft werden.

Zusätzlich zählt der langfristige Effekt. Weniger Brutto bedeutet in der gesetzlichen Rentenversicherung in der Regel weniger Entgeltpunkte. Auch Sonderzahlungen, betriebliche Altersvorsorge, Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Elterngeld können indirekt betroffen sein, wenn sie sich am laufenden Einkommen orientieren. Eine Reduzierung kann trotzdem sinnvoll sein, etwa wegen Gesundheit, Pflege, Kindern, Weiterbildung oder einer besseren Arbeitsbelastung. Sie sollte aber als finanzielle Entscheidung geplant werden.

Warum der Mehrarbeitswunsch vor allem Teilzeit betrifft

Bei den 1,5 Millionen Erwerbstätigen mit Mehrarbeitswunsch waren nach Destatis die meisten in Teilzeit beschäftigt. 1,1 Millionen Teilzeitbeschäftigte wollten länger arbeiten, während dies bei 0,4 Millionen Vollzeitbeschäftigten der Fall war. Das ist wichtig für Arbeitgeber und Politik: Ein Teil des zusätzlichen Arbeitskräftepotenzials liegt nicht nur in neuen Beschäftigten, sondern in vorhandenen Arbeitsverhältnissen, bei denen mehr Stunden gewünscht sind.

Für Beschäftigte kann Aufstockung finanziell attraktiv sein, wenn Kinderbetreuung, Pflege, Pendelzeiten oder Gesundheit es zulassen. Der Bruttolohn steigt zwar mit den zusätzlichen Stunden, netto bleibt wegen Steuer und Sozialabgaben aber weniger übrig. Bei Minijobs und Midijobs ist außerdem entscheidend, ob durch mehr Stunden Grenzen überschritten werden. Wer aus einem Minijob heraus aufstockt, sollte prüfen, ob die Beschäftigung in den Übergangsbereich fällt und wie sich Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung auswirken. Dafür helfen der Minijob-Rechner und der Midijob-Rechner.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die neuen Daten zeigen deutliche Unterschiede nach Beschäftigungsform und Geschlecht. Vollzeittätige Männer arbeiteten 2025 im Durchschnitt 41,1 Stunden pro Woche, vollzeittätige Frauen 39,6 Stunden. Männer in Vollzeit wollten ihre Arbeitszeit seltener reduzieren als Frauen: 10,3 Prozent gegenüber 13,5 Prozent. Gleichzeitig äußerten vollzeittätige Männer etwas häufiger den Wunsch nach Arbeitszeiterhöhung: 1,8 Prozent gegenüber 1,1 Prozent bei Frauen.

In Teilzeit ist das Bild anders. Teilzeittätige Frauen arbeiteten laut Destatis im Schnitt 22,1 Stunden pro Woche, teilzeittätige Männer 19,9 Stunden. Frauen in Teilzeit wollten mit 7,4 Prozent seltener aufstocken als Männer in Teilzeit, bei denen 10,4 Prozent eine Ausweitung der Arbeitszeit wünschten. Für Gehaltsvergleiche ist das wichtig, weil Monatsbrutto und Monatsnetto oft Beschäftigungsumfang statt Stundenlohn widerspiegeln. Wer Teilzeitgehälter vergleicht, sollte deshalb konsequent auf Stundenlohn, Wochenstunden und Sonderzahlungen umrechnen.

Was Beschäftigte jetzt prüfen sollten

  • Nettoeffekt rechnen: geplante Wochenstunden in ein neues Monatsbrutto übersetzen und mit dem bisherigen Netto vergleichen.
  • Stundenlohn sichern: bei Teilzeitreduzierung prüfen, ob der Stundenlohn unverändert bleibt und Zulagen anteilig erhalten bleiben.
  • Sozialversicherung beachten: besonders bei Minijob, Midijob und Übergang in reguläre Teilzeit.
  • Rente mitdenken: weniger Brutto senkt häufig die künftigen Rentenansprüche.
  • Arbeitsvertrag prüfen: Befristung, Rückkehrrecht, Mehrarbeit, Überstunden und Sonderzahlungen sauber dokumentieren.

Fazit: Die Arbeitszeitwünsche 2025 zeigen ein geteiltes Bild. Viele Menschen möchten weniger arbeiten, viele andere würden gern mehr Stunden leisten. In beiden Fällen entscheidet nicht nur die Wochenstundenzahl, sondern der konkrete Netto- und Vorsorgeeffekt. Wer Arbeitszeit verändert, sollte die Entscheidung deshalb wie eine Gehaltsänderung behandeln: mit Zahlen, Fristen und klaren Bedingungen.

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