Metall- und Elektroindustrie: IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld
Die IG Metall-Tarifkommissionen gehen mit 5 Prozent mehr Entgelt in die Metall- und Elektro-Tarifrunde 2026. Was Beschäftigte jetzt zu Brutto, Netto, Azubis und Warnstreiks wissen sollten.
Die Metall- und Elektro-Tarifrunde 2026 hat einen konkreten Geldrahmen. Mehrere regionale Tarifkommissionen der IG Metall haben am 22. September 2026 Forderungen für die anstehenden Verhandlungen beschlossen. Der Kern ist in den großen Bezirken gleich: 5 Prozent mehr Entgelt für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich sollen eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen, Gespräche über Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie in wirtschaftlich starken Betrieben eine tarifliche Gewinnbeteiligung eine Rolle spielen.
Wichtig ist die Einordnung: Das ist noch kein Tarifabschluss und noch keine neue Entgelttabelle. Die regionalen Beschlüsse sind die Grundlage für den bundesweiten Forderungsbeschluss des IG-Metall-Vorstands am 23. September 2026. Danach starten die ersten Verhandlungen Anfang Oktober. Für Beschäftigte ist der Anlass trotzdem relevant, weil jetzt klarer wird, welche Größenordnung am Verhandlungstisch liegt und welche Punkte neben dem Monatsbrutto wichtig werden.
Was beschlossen wurde
In Baden-Württemberg fordert die IG Metall für rund 900.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie 5 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütung. In Bayern nennt die Gewerkschaft rund 836.000 Beschäftigte und fordert neben 5 Prozent mehr Entgelt eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro. Im Bezirk Mitte, also Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen, geht es nach IG-Metall-Angaben um rund 388.000 Beschäftigte. Auch dort lautet die Forderung 5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate.
| Punkt | Forderung nach aktuellem Stand | Was Beschäftigte beachten sollten |
|---|---|---|
| Entgelt | +5,0 % | Forderung, kein Abschluss |
| Laufzeit | 12 Monate | entscheidend für die reale Jahreswirkung |
| Auszubildende | regional +5,0 % oder konkret +110 Euro gefordert | Tarifgebiet und finalen Bundesbeschluss prüfen |
| Soziale Komponente | untere Entgeltgruppen sollen stärker profitieren | kann die reine Prozentrechnung verändern |
| Gewinnbeteiligung | für wirtschaftlich starke Betriebe im Gespräch | nicht mit dauerhaftem Tabellenentgelt verwechseln |
| Verhandlungen | Start Anfang Oktober 2026 | bis zum Abschluss bleibt die Abrechnung unverändert |
Was 5 Prozent brutto bedeuten
Eine Forderung von 5 Prozent klingt einfach, wirkt aber je nach Entgeltgruppe sehr unterschiedlich. Bei einem Monatsbrutto von 3.000 Euro wären 5 Prozent rechnerisch 150 Euro brutto zusätzlich. Bei 4.000 Euro wären es 200 Euro, bei 5.000 Euro wären es 250 Euro. Auf zwölf Monate gerechnet entspräche das vor Steuern und Sozialabgaben 1.800, 2.400 beziehungsweise 3.000 Euro mehr Jahresbrutto, falls die Erhöhung ohne Verzögerung und dauerhaft tabellenwirksam käme.
Genau dieses "falls" ist entscheidend. In Tarifrunden wird selten exakt die Forderung eins zu eins umgesetzt. Der spätere Abschluss kann niedriger ausfallen, gestaffelt werden, Einmalzahlungen enthalten oder besondere Bausteine für bestimmte Gruppen vorsehen. Außerdem kommt netto deutlich weniger an als brutto, weil Lohnsteuer und Sozialabgaben mitsteigen. Wer wissen will, was ein mögliches Plus persönlich bedeuten würde, sollte das bisherige und ein hypothetisches neues Monatsbrutto im Brutto-Netto-Rechner vergleichen.
Warum die soziale Komponente wichtig ist
Die Gewerkschaft betont in mehreren Bezirken, dass Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen besonders berücksichtigt werden sollen. Praktisch kann das bedeuten, dass der spätere Abschluss nicht nur aus einem linearen Prozentwert besteht. Möglich wären zum Beispiel Sockelbeträge, überproportionale Azubi-Erhöhungen, besondere Einmalzahlungen oder andere Entgeltbausteine. Solche Konstruktionen verändern die Verteilung: Ein fixer Betrag hilft niedrigeren Monatsgehältern prozentual stärker als höheren Einkommen.
Für Beschäftigte heißt das: Nicht nur auf die Schlagzeile "5 Prozent" schauen, sondern später die eigene Entgeltgruppe, Arbeitszeitquote und alle Zusatzbausteine prüfen. Eine Teilzeitkraft mit 25 Wochenstunden erhält Tabellensteigerungen anteilig. Wer übertarifliche Zulagen bekommt, muss außerdem klären, ob der Arbeitgeber eine spätere Tariferhöhung zusätzlich zahlt oder ganz oder teilweise auf bestehende Zulagen anrechnet.
Azubis: Prozent oder Eurobetrag macht einen Unterschied
Bei Auszubildenden ist die Frage besonders sensibel, weil die Vergütung niedriger ist und Fixkosten wie Miete, Mobilität oder Lernmittel stark ins Gewicht fallen. Bayern nennt ausdrücklich 110 Euro mehr Ausbildungsvergütung. Das kann prozentual deutlich stärker wirken als 5 Prozent. Bei 1.100 Euro Ausbildungsvergütung wären 5 Prozent nur 55 Euro; ein Plus von 110 Euro entspräche dagegen 10 Prozent. Ob ein solcher Betrag bundesweit Teil der finalen Forderung wird, hängt vom Beschluss des IG-Metall-Vorstands und den anschließenden Verhandlungen ab.
Für Azubis ist deshalb nicht nur der Endbetrag interessant, sondern auch der Zeitpunkt. Eine Erhöhung kann mit dem Wechsel ins nächste Ausbildungsjahr zusammenfallen oder zeitlich davon getrennt sein. Wer später eine neue Abrechnung bekommt, sollte beide Effekte auseinanderhalten: die reguläre Steigerung nach Ausbildungsjahr und die tarifliche Tariferhöhung.
Beschäftigungssicherung steht neben dem Geld
Die Tarifrunde fällt in eine uneinheitliche Branchenlage. IG Metall Baden-Württemberg verweist auf angespannte Situationen in vielen Betrieben und Teilbranchen, zugleich gibt es Bereiche mit guter wirtschaftlicher Entwicklung. Bayern nennt unter anderem schwächere Auto- und Zulieferbetriebe, aber starke Bereiche wie Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Rüstung. Deshalb will die Gewerkschaft nicht nur über Entgelt sprechen, sondern auch über Zukunftskonzepte, Investitionen, Qualifizierung, Produkte und Standorte.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist das praktisch: Ein höheres Tabellenentgelt hilft wenig, wenn parallel Arbeitsplätze, Schichten oder Standorte unsicher werden. Umgekehrt darf Beschäftigungssicherung nicht automatisch bedeuten, dass Lohnentwicklung ausfällt. Wer in einem betroffenen Betrieb arbeitet, sollte deshalb beide Ebenen verfolgen: Was passiert mit der Entgelttabelle, und welche betrieblichen Zusagen gibt es zu Investitionen, Produkten, Arbeitszeit und Personalplanung?
Der Zeitplan bis zu möglichen Warnstreiks
Nach den bisherigen IG-Metall-Angaben beginnen die Verhandlungen Anfang Oktober, je nach Tarifgebiet an unterschiedlichen Tagen. In Baden-Württemberg ist der Start für den 7. Oktober 2026 genannt, in Bayern für den 8. Oktober 2026, im Bezirk Mitte für den 9. Oktober beziehungsweise Thüringen am 12. Oktober. Die Entgelttarifverträge laufen nach Gewerkschaftsangaben am 31. Oktober 2026 aus. Ab 1. November 2026 wären Warnstreiks möglich, wenn bis dahin keine Einigung erreicht ist.
Bis dahin bleibt es bei den geltenden Tabellen. Beschäftigte sollten deshalb nicht vorschnell mit mehr Netto im Oktober planen. Sinnvoller ist eine Szenariorechnung: Was wäre bei 2 Prozent, 3 Prozent oder 5 Prozent mehr Brutto möglich? Wie wirken Einmalzahlungen im Vergleich zu dauerhaftem Tabellenentgelt? Und welche Rolle spielen Sonderzahlungen wie T-ZUG, Weihnachtsgeld, Schichtzuschläge oder betriebliche Prämien? Einen Überblick zur Ausgangslage vor den Forderungsbeschlüssen bietet der frühere Beitrag zur Metall- und Elektro-Tarifrunde 2026.
Checkliste für Beschäftigte
- Tarifgebiet prüfen: Forderungen und Verhandlungstermine unterscheiden sich regional.
- Entgeltgruppe bereitlegen: Nur damit lässt sich eine spätere Tabelle richtig einordnen.
- Brutto in Euro rechnen: 5 Prozent entsprechen je nach Monatsgehalt sehr verschiedenen Beträgen.
- Netto simulieren: Steuerklasse, Krankenkasse, Kirchensteuer und Sozialabgaben verändern den Kontoeffekt.
- Einmalzahlung trennen: Kurzfristiges Geld erhöht nicht automatisch das dauerhafte Monatsentgelt.
- Arbeitszeit beachten: Teilzeit, Schichtmodelle und Wahloptionen zwischen Geld und Zeit mitrechnen.
Fazit: Die 5-Prozent-Forderung gibt der Metall- und Elektro-Tarifrunde 2026 eine klare Richtung, ist aber noch kein Ergebnis. Für Beschäftigte zählt jetzt ein nüchterner Blick auf Brutto, Netto, Laufzeit, soziale Komponente und Beschäftigungssicherung. Erst der spätere Tarifabschluss entscheidet, ob und wann mehr Geld auf der Abrechnung steht.