Zum Inhalt springen
Gehalts.info LogoGehalts.info
26. Juni 2026 · Gehalts.info Redaktion

Rentenreform 2026: Bundesregierung will alle 33 Empfehlungen umsetzen – das ändert sich

Die Alterssicherungskommission hat ihren Abschlussbericht vorgelegt – 33 Empfehlungen für die größte Rentenreform seit Jahrzehnten. Kanzler Merz und Ministerin Bas wollen das Paket „1:1" umsetzen: höheres Rentenalter, neue Kapitalrente, Aus für die Rente mit 63. Was das für Beitragszahler und Rentner konkret bedeutet.

Rente & Vorsorge

Es ist die folgenreichste Weichenstellung für die Altersvorsorge seit Jahren: Am 23. Juni 2026 hat die Alterssicherungskommission ihren Abschlussbericht mit 33 Empfehlungen an die Bundesregierung übergeben. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) machten umgehend klar, dass sie das Paket nicht „zerpflücken", sondern vollständig umsetzen wollen. Wir ordnen ein, was beschlossen werden soll – und was es für Ihr Netto und Ihre spätere Rente bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • 33 Empfehlungen auf 76 Seiten – von höherem Rentenalter über eine Kapitalrente bis zum Aus für die „Rente mit 63".
  • Merz und Bas wollen das Konzept vollständig und „1:1" umsetzen.
  • Die Gesetzentwürfe sollen nach der Sommerpause kommen, die Verabschiedung ist für Ende 2026 geplant.
  • Noch sind es Empfehlungen – Wirkung entfalten sie erst nach Beschluss durch Bundestag und Bundesrat.

Höheres Rentenalter – gekoppelt an die Lebenserwartung

Die Kommission will das gesetzliche Renteneintrittsalter über die heutige Grenze von 67 Jahren hinaus weiter anheben – schrittweise und gekoppelt an die steigende Lebenserwartung. Geplant ist ein Beginn der Anhebung ab 2032.

Jahr Reguläres Renteneintrittsalter (geplant)
heute (Jahrgang 1964 ff.)67 Jahre
204167,5 Jahre
205168 Jahre
2090er-Jahrerund 70 Jahre

Für Härtefälle – etwa Menschen, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Regelgrenze ausüben können – sollen Ausnahmen gelten.

Aus für die „Rente mit 63"

Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren – im Volksmund „Rente mit 63" – soll abgeschafft werden. Die Kommission hält sie für zu teuer und für ein falsches Signal in Zeiten des Fachkräftemangels. Wer früher in Rente geht, müsste künftig wieder mit Abschlägen rechnen.

Neue gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild

Zentrales Novum ist eine verpflichtende, kapitalgedeckte Zusatzrente. Nach dem Vorbild Schwedens sollen für alle Beschäftigten individuelle Kapitalkonten eingerichtet werden. Die Beiträge werden zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt.

  • Zusätzlicher Beitrag von insgesamt 2 Prozent des Bruttolohns.
  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen je 1 Prozent – stufenweise eingeführt.
  • Diese Kapitalrente kommt on top zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente.

Wichtig: Die Kommission betont, dass das Gesamt-Rentenniveau durch das Reformpaket nicht niedriger ausfallen soll als nach geltendem Recht.

Was bedeutet das für Ihr Netto?

Schon ohne Reform steigt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung: von heute 18,6 Prozent auf voraussichtlich 19,9 Prozent im Jahr 2028. Den hälftigen Anteil zahlen Arbeitnehmer direkt vom Brutto. Kommt die Kapitalrente hinzu, wächst die Belastung um die zusätzlichen Beiträge.

Komponente Arbeitnehmer-Anteil (geplant)
Rentenbeitrag heute9,3 % (Hälfte von 18,6 %)
Rentenbeitrag ab 2028ca. 9,95 % (Hälfte von 19,9 %)
+ Kapitalrente (nach Einführung)+ 1 % des Bruttolohns

Wie sich das konkret auf Ihr monatliches Netto auswirkt, können Sie mit unserem Brutto-Netto-Rechner 2026 durchspielen – und Ihre voraussichtliche gesetzliche Rente mit dem Rentenrechner abschätzen.

Mehr Menschen sollen einzahlen

Um die Basis breiter aufzustellen, empfiehlt die Kommission, den Kreis der Beitragszahler auszuweiten. Im Gespräch sind unter anderem Abgeordnete sowie Selbstständige ohne anderweitige Absicherung; perspektivisch wird auch über die Einbeziehung von Beamten diskutiert. Ergänzend soll der bis 2031 ausgesetzte Nachhaltigkeitsfaktor zurückkehren, damit Rentenanpassungen wieder stärker die Zahl der Beitragszahler berücksichtigen.

Reaktionen: Lob und deutliche Kritik

Die Bundesregierung lobt das Konzept als generationengerecht und zukunftssicher. Gegenwind kommt allerdings von vielen Seiten: Gewerkschaften warnen vor einer faktischen Rentenkürzung durch ein höheres Eintrittsalter, Arbeitgeberverbände fürchten steigende Lohnzusatzkosten. Die Versicherungswirtschaft (GDV) sieht vor allem die staatlich gebündelte Verwaltung der Kapitalrente kritisch und plädiert für mehr private, wettbewerbliche Lösungen. Der parlamentarische Weg dürfte also holprig werden.

Fazit: Großer Wurf – aber noch nicht in Kraft

Höheres Rentenalter, Kapitalrente, Aus für die Rente mit 63: Die 33 Empfehlungen würden die Altersvorsorge grundlegend umbauen. Entscheidend bleibt jedoch, dass es bislang Empfehlungen sind. Erst wenn Bundestag und Bundesrat die Gesetze beschließen – geplant ist das bis Ende 2026 –, wird daraus geltendes Recht. Wer wissen will, was die Änderungen für ihn bedeuten, rechnet am besten heute schon verschiedene Szenarien mit dem Rentenrechner und dem Brutto-Netto-Rechner durch.

Anzeige