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11. Juli 2026 · Gehalts.info Redaktion

Ausbildungsmarkt 2026: Weniger Stellen, mehr Jugendarbeitslosigkeit und weiter Fachkräfteengpässe

Neue Arbeitsagentur-Daten zeigen, wie widersprüchlich der Arbeitsmarkt 2026 ist: weniger Ausbildungsstellen in Baden-Württemberg, hohe Jugendarbeitslosigkeit und gleichzeitig Engpässe in Pflege, Technik, Bau und Gastronomie.

Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt sendet im Sommer 2026 widersprüchliche Signale: Unternehmen melden weniger Ausbildungsstellen, junge Menschen haben es schwerer beim Einstieg, und zugleich bleiben viele Fachkräftejobs unbesetzt. Aktuelle Meldungen aus den Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit zeigen dieses Spannungsfeld besonders deutlich. In Baden-Württemberg waren im Mai 60.739 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 9,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig lag die Jugendarbeitslosigkeit im Juni auf einem auffällig hohen Niveau. In Sachsen-Anhalt und Thüringen wiederum zeigen Engpassanalysen, dass bestimmte Berufsgruppen trotz schwacher Konjunktur weiterhin schwer zu besetzen sind.

Was in Baden-Württemberg auffällt

Nach vorläufigen Zahlen der Arbeitsagentur ist der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg spürbar enger geworden. Es gibt zwar weiterhin mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber, aber der Abstand schrumpft. Für Jugendliche heißt das: Die Chancen sind nicht verschwunden, doch die Auswahl ist kleiner und Bewerbungen sollten schneller und gezielter rausgehen. Besonders zum Ausbildungsstart im September zählt jetzt, ob Unterlagen vollständig sind und ob auch verwandte Berufe oder Nachbarregionen in Betracht kommen.

Parallel meldet die Regionaldirektion eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Im Juni waren 24.799 Menschen zwischen 15 und unter 25 Jahren arbeitslos. Bei den 25- bis unter 35-Jährigen waren es rund 66.900 Personen. Besonders schwierig ist die Lage für junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung: Rund 17.000 Arbeitslose unter 25 und mehr als 32.000 Arbeitslose unter 35 hatten zuletzt keinen Berufsabschluss.

Warum ein Abschluss so stark wirkt

Die Zahlen bestätigen ein altes, aber sehr konkretes Muster: Ein Berufsabschluss schützt nicht vor jedem Risiko, verbessert aber die Chancen erheblich. Laut Arbeitsagentur liegen vier von fünf offenen Stellen auf Fachkräfteniveau oder höher. Wer keine abgeschlossene Ausbildung hat, konkurriert daher um einen kleineren Teil der Stellen und landet häufiger in Jobs mit niedrigerem Lohn, weniger Planbarkeit und geringeren Aufstiegschancen.

Für die Gehaltsplanung ist das zentral. Eine Ausbildung ist nicht nur ein Einstieg in einen Beruf, sondern oft der erste Schritt in tarifliche Eingruppierungen, Zuschläge, Weiterbildungen und später höhere Verantwortung. Kurzfristig kann ein ungelernter Job attraktiv wirken, wenn sofort Geld gebraucht wird. Langfristig entscheidet aber häufig der Abschluss darüber, ob Brutto und Netto mit Erfahrung wirklich steigen. Wer vergleichen möchte, wie sich unterschiedliche Bruttogehälter auf das Monatsnetto auswirken, kann den Brutto-Netto-Rechner nutzen.

Engpassberufe: Fachkräftemangel trotz Arbeitslosigkeit

Die Meldungen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigen die andere Seite des Problems. In Sachsen-Anhalt wurden für 2025 22 Berufsgruppen mit Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung genannt, zwei mehr als im Vorjahr. In Thüringen waren es 21 Berufsgruppen, eine weniger als 2024. Betroffen sind vor allem Pflege- und Gesundheitsberufe, das verarbeitende Gewerbe, technische Tätigkeiten wie Mechatronik, Automatisierungs- und Energietechnik, außerdem Bau, Gastronomie und Lebensmittelverkauf.

Der Kern ist ein Mismatch: Es gibt Arbeitslose, aber nicht immer mit der Qualifikation, Erfahrung oder regionalen Mobilität, die offene Stellen verlangen. In Thüringen entfiel im Jahresdurchschnitt 2025 fast jede vierte neu gemeldete Arbeitsstelle auf Bereiche mit besonders großen Besetzungsproblemen. Gleichzeitig suchten unter den Arbeitslosen im Bestand nur rund sechs Prozent eine Beschäftigung in solchen Engpassberufen. Das ist kein Widerspruch, sondern der Grund, warum Arbeitsmarktpolitik, Weiterbildung und Berufsorientierung so wichtig bleiben.

Was Bewerber jetzt praktisch tun können

Für Jugendliche und junge Erwachsene ist die wichtigste Konsequenz: Nicht nur nach dem Wunschberuf suchen, sondern nach Berufsfeldern mit ähnlichen Tätigkeiten, guter Nachfrage und klaren Entwicklungspfaden. Wer etwa Technik interessant findet, sollte neben dem einen bekannten Ausbildungsberuf auch Mechatronik, Elektronik, Anlagenmechanik, Automatisierungstechnik oder industrielle Metallberufe prüfen. Wer im Sozialen arbeiten möchte, kann Pflege, Assistenzberufe, Therapie- und Verwaltungswege im Gesundheitswesen vergleichen.

  • Region erweitern: Schon ein Nachbarkreis kann die Zahl passender Ausbildungsstellen deutlich erhöhen.
  • Berufsfamilien prüfen: Ähnliche Tätigkeiten haben oft sehr unterschiedliche Bewerberzahlen.
  • Tarifbindung beachten: Sie kann Ausbildungsvergütung, Zuschläge und spätere Entgeltstufen verbessern.
  • Nachqualifizierung nutzen: Wer ohne Abschluss arbeitslos ist, sollte Teilqualifikationen, Umschulung oder Externenprüfung prüfen.

Was Arbeitgeber daraus lernen sollten

Für Betriebe ist der Rückgang gemeldeter Ausbildungsstellen ein Risiko. Wer in schwierigen Jahren weniger ausbildet, kann den eigenen Fachkräftemangel später verschärfen. Gerade Engpassbranchen brauchen Nachwuchs, transparente Gehaltsentwicklung und verlässliche Arbeitsbedingungen. Eine Ausbildungsvergütung allein reicht selten aus, wenn Arbeitszeiten, Betreuung und Übernahmechancen nicht stimmen.

Auch Gehaltstransparenz wird wichtiger. Junge Menschen vergleichen nicht nur Berufe, sondern Lebensperspektiven: Was bleibt netto übrig? Gibt es Zuschläge? Wie schnell steigt das Einkommen nach der Ausbildung? Welche Weiterbildung zahlt sich aus? Arbeitgeber, die diese Fragen klar beantworten, haben im Wettbewerb um Nachwuchs einen Vorteil.

Fazit

Die aktuellen Daten zeigen keinen einfachen Arbeitsmarkt, sondern einen gespaltenen: weniger Ausbildungsstellen hier, hohe Jugendarbeitslosigkeit dort und gleichzeitig Engpässe in wichtigen Fachkräfteberufen. Für Bewerber bedeutet das: Abschluss priorisieren, Berufsfelder breiter denken und Gehaltsperspektiven realistisch prüfen. Für Betriebe bedeutet es: Ausbildung nicht zur Konjunkturreserve machen. Wer heute keine Nachwuchskräfte aufbaut, sucht morgen noch teurer nach Fachkräften.

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